Uni

Math-Nat-Fak

Fachbereich Mathematik
Prof. Dr.
Anton Deitmar



Raum C5 A26
Auf der Morgenstelle 10
72076 Tübingen
Tel: +49(0)7071 29 76884

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Lehre

Sommersemester 2016

Wintersemester 2016/17

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Wochenplan

Kolloquium

Antonia Deitmar

 



 Tertium non datur

Es schleicht ums Haus, verstohlen und leis,
bis einer nachsieht und fragt wie es heiß,
da steht es vor uns, Trauer im Gesicht:
ich wär gerne bei euch, doch ihr wollt mich nicht.
Ihr duldet mich nicht in eurer Mitte,
denn ich bin das ausgeschlossene Dritte.



Ziele setzen wir uns nicht, um sie zu erreichen, sondern um auf dem Weg dorthin zu leben. 




Du bist frei

Du kannst gehen wohin Du willst
Du kannst werden wer Du willst
Du kannst alles aus Dir machen
Du bist frei

Du hast die Wahl
Es liegt alles an Dir
Du kannst Dich entscheiden
Du bist frei

Ist das nicht schrecklich?




Verstehen heißt, Wissen über Bord zu werfen.


Thich Nath Hanh



Krise

Glaubt man den Nachrichten, taumeln wir von einer in die nächste. Aus der Lehmann-Krise wurde die Finanzkrise, dann aus der Griechenland-Krise die Euro-Krise. Immer geht es ums Ganze, steht unser aller Wohl und Wehe auf dem Spiel.
Dabei wird die Krise als der negative Ausnahmefall verkauft. Ist sie aber gar nicht. Medial schon mal nicht, weil die Medien ja nicht, oder kaum, über das berichten, was gut läuft. Also wird das, was gerade schief geht, permanent medial überbetont. Aber auch sachlich gehört die Krise zur Marktwirtschaft wie Geld und Arbeit, naemlich als Sündenbock, der ohnehin fällige Umstrukturierungen durchsetzbar macht.
Habe ich als Unternehmer ein Werk, das immer an der Grenze der Wirtschaftlichkeit arbeitet, das ich lange schon zumachen wollte, kommt mir die nächste Krise gerade recht. Schiebe ich alles auf die Krise, die ja medial hinreichend breit getreten wurde, kann ich Entlassungen gegenüber der Gewerkschaft durchdrücken. Da das Absterben von Veraltetetem oder Schwachem genauso zum Wirtschaftsgeschehen gehört wie das Wachsen des Starken, sich demokratische Kräfte aber gegen das erstere stellen, braucht der Unternehmer die Krise dringend, um sich hernach neu positionieren und wieder wachsen zu können.




"Das Leben ist ungerecht." beschwerte sich ein Freund.
Finde ich gar nicht: es gibt immer wen, dem es besser geht als Dir. Es gibt immer wen, dem es schlechter geht als Dir. Und das geht jedem so.
Also ist das Leben vollkommen gerecht.




Arbeitstag eines Mathematikers.
Ich arbeite an einem Skript. Plötzlich kommt mir eine Aussage, am Vortag leichtfertig hingeschrieben, gänzlich unglaublich vor. Ich suche Gegenbeispiele. Erste triviale Beispiele widerlegen die Aussage nicht. Ich mache einen Plan zur Berechnung komplizierterer Beispiele. Die Rechnungen ufern aus. Es wird Mittag. Am frühen Nachmittag sehe ich, dass ich keine Gegenbeispiele bekomme. Ich denke nochmal über die Aussage nach. Jetzt scheint sie mir plausibel. Ob ich einen Beweis finden kann? Ich grüble. Da fällt mir eine alte, längst verworfene Konstruktion ein, seinerzeit für andere Zwecke gemacht, mittlerweile durch effektivere ersetzt. Nach längerem Nachdenken sehe ich, dass diese Konstruktion tatsächlich einen Beweis liefern könnte, wenn zwei Teilaussagen wahr sind. Ich denke über die Teilaussagen nach. Die erste kriege ich nach kurzer Zeit, die zweite ist widerspenstiger, ich brauche einen ganz anderen Ansatz. Während ich über diesen anderen Ansatz nachdenke, sehe ich, dass meine ursprüngliche Aussage, die die ganze Arbeit auslöste, eigentlich völlig klar ist. Ich denke darüber nach, wie ich diese neue Erkenntnis zu Papier bringe. Es wird Abend.
Fazit eines Arbeitsages: Ich ändere ein Komma.




Da ist
der literaturbesessene Bauer, der,
seine Leidenschaft mit dem Beruf verbindend,
seinen Kühen nach der Fütterung
Gedichte vorliest, was diese
mit zufriedenem Mampfen quittieren.
Kunstliebhaber allemal.



Schmerzen

unter Schmerzen kommen wir in die Welt
unter Schmerzen gehen wir aus der Welt

und dazwischen

ist es auch nicht viel besser


(geschrieben anlässlich einer Depri-Phase meiner Tochter. Hat auch gewirkt: nach Vortrag des Gedichts war sie sogleich erheitert.)



Wenn es mir gelingt, den Augenblick zu fangen und meine Seele zum Stillstand zu bringen, dann wird sich von dem Moment an die ganze Welt um diesen Fixpunkt drehen.



Hölderlin   
Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
  Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern,
    Und verstehe die Freiheit,
      Aufzubrechen, wohin er will.



Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es gibt einen hohlen Klang, dann ist nicht unbedingt das Buch daran schuld.

Josella Simone Playton


 
Man is willing to die for any idea, provided he does not understand it.

 G.K. Chesterton



Eine Sache vollkommen zu verstehen und dieselbe Sache vollkommen mißzuverstehen sind zwei Dinge, die nicht immer vollständig voneinander getrennt werden können.

 Robert Musil


 
You don't understand my philosophy!
 But that is the way progress is made: each generation misunderstands the previous one.

 Harish-Chandra


 
A hen is only an egg's way of making another egg.
 


 
Seek simplicity and distrust it.


 A.N. Whitehead


 
If a man will begin with certainties, he shall end in doubts; but if he will be content to begin with doubts, he shall end in certainties.


 Sir Francis Bacon



Die Universitätsverwaltung zum Physik-Fachbereich: Warum braucht ihr Jungs immer so teure Maschinen? Könnt ihr nicht so arbeiten wie die Mathematiker? Alles, was die brauchen, ist Papier, Bleistift und einen Papierkorb.

Oder, noch besser, arbeitet wie die Philosophen. Alles, was die brauchen, ist Papier und Bleistift.



 "Die Nummer, die Sie gewählt haben, ist imaginär. Bitte drehen Sie Ihr Telefon um 90 Grad und wählen Sie erneut."


 
Dr. Fox erzählt Unsinn


Der Vortrag, den Myron L. Fox vor den versammelten Experten im Jahre 1970 hielt, trug den eindrucksvollen Titel Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten. Und den Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms der University of Southern California School of Medicine wurde Fox als »Autorität auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten« vorgestellt. Er beeindruckte die Zuhörer mit seinem gewandten Auftritt derart, dass keiner von ihnen merkte: Der Mann war Schauspieler und hatte keine Ahnung von Spieltheorie.

Alles, was Fox getan hatte, war, aus einem Fachartikel über Spieltheorie einen Vortrag zu entwickeln, der ausschließlich aus unklarem Gerede, erfundenen Wörtern und widersprüchlichen Feststellungen bestand, die er mit viel Humor und sinnlosen Verweisen auf andere Arbeiten vortrug. Hinter dieser Täuschung standen John E. Ware, Donald H. Naftulin und Frank A. Donnelly, die mit dieser Demonstration eine Diskussion über den Inhalt des Weiterbildungsprogramms initiieren wollten. Das Experiment sollte die Frage beantworten: Ist es möglich, eine Gruppe von Experten mit einer brillanten Vortragstechnik so hinters Licht zu führen, dass sie den inhaltlichen Nonsens nicht bemerken? John Ware übte stundenlang mit dem Schauspieler: »Das Problem war, Fox davon abzuhalten, etwas Sinnvolles zu sagen.«

Fox war sich sicher, dass der Schwindel auffliegen würde. Doch das Publikum hing an seinen Lippen und begann nach dem einstündigen Vortrag, fleißig Fragen zu stellen, die er so virtuos nicht beantwortete, dass niemand es merkte. Auf dem Beurteilungsbogen gaben alle zehn Zuhörer an, der Vortrag habe sie zum Denken angeregt, neun fanden zudem, Fox habe das Material gut geordnet, interessant vermittelt und ausreichend Beispiele eingebaut. Die Tatsache, dass der Stil eines Vortrags über seinen dürftigen Inhalt hinwegtäuschen kann, hieß bald nur noch der »Dr.-Fox-Effekt«.

Auch nachdem die Zuhörer über die wahre Identität von Fox aufgeklärt worden waren, erkundigten sich einige von ihnen nach weiterführender Literatur. Der Vortrag – obwohl nichtssagend und als Betrug entlarvt – hatte durch seinen Stil offenbar das Interesse am Thema geweckt. Ware schlug darauf eine innovative Methode vor, die Motivation der Studenten zu steigern: Professoren könnten, anstatt selber Vorlesungen zu halten, Schauspieler dafür trainieren. In der Los Angeles Times schrieb daraufhin ein Journalist: »Diese Untersuchung hat Implikationen, die selbst ihre Autoren nicht bemerkt haben. Wenn ein Schauspieler ein besserer Lehrer ist, warum nicht auch ein besserer Parlamentarier oder sogar ein besserer Präsident?« Sieben Jahre später wurde Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten.

aus: ZEIT 16.09.2004